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Mir ist schlecht...

Bis vor einigen Jahren, als das Skifahren noch einigermaßen bezahlbar war, war ich eine der begeistertesten - oder wie heißt dieses Wort nun? - Skifahrerinnen, die es so geben kann und je schneller desto toll, raus aus der Seilbahn und die erste auf der Piste. "Skifoan" war mein Lieblingssong, den ich auswendig auf der Piste vor mich hinträllerte. Dieses Hobby hatte absoluten Suchtfaktor - jede freie Minute war ich am Berg.
Vor drei Jahren hing ich meine Skistiefel aus gesundheitlichen Gründen und dadurch mangelnder Fitness an den Nagel. Ich kenne meinen Fahrstil - ein Sturz hätte fatale Folgen haben können. Außerdem fürchtete ich, einmal doch die Piste runtergestoben, könnte ich erneut meiner Sucht erliegen.

Manchmal bin ich sadomasochistisch veranlangt und zieh mir das ein oder andere Rennen fernsehtechnisch rein. So auch geschehen vergangenen Samstag mit dem Super-G der Herren - eigentlich meine Lieblingsrennart und freu mich noch für Markus Wasmaier, der mit einer Fahrt mit der Helmkamera das Rennen für die Fernsehzuschauer transparenter machte und sich sehr über dieses Erlebnis "Skifahren" freute.
Bis zur Startnummer 30 - Matthias Lanzinger aus Österreich - freute ich mich auch noch, aber dessen Sturz machte mich betroffen und den ganzen Tag ging mir dieser sympathisch erscheinende Sportler nicht mehr aus dem Kopf und - wie sich ja noch schrecklichst herausstellen sollte - mit Recht, denn seine Verletzungen sind mehr als tragisch und mir tut er von Herzen leid.

Schlecht ist mir nun deswegen, weil ich mir auf Youtube den Sturz grad nochmal reingezogen habe - dies deswegen, weil der Österreichische Skiverband nun prüfen will, ob nicht die Schuld, dass dem schwerverletzten Lanzinger der Unterschenkel abgenommen werden musste, bei den Rettungskräften liegen könnte.
Freilich - momentan unfassbar, dass die Beinabnahme hat sein müssen, aber wenn ich mir die Bilder des Sturzes anschaue und sehe, wie oft sich das Bein mit dem Ski, dessen Bindung sich einfach nicht löst, dreht, liegt am ehesten die Vermutung nahe, dass der Fuß nur noch vom Rennanzug gehalten wurde. Wie kann man nach dem Betrachten dieser Bilder tatsächlich die Schuld für die Schwere der Verletzung bei der Art und Weise der Rettung suchen?
Wenn könnte überhaupt die Frage gestellt werden, wer ihm die Bindung des Skis eingestellt hat! Lieber ÖSV, oder nicht?


Ich kenne viele Bergwachtler hier aus meinem Heimatort und auch mein Hausberg hat schon einige Todesopfer nach tragischen Unfällen gefordert. Aber ich kann mir vorstellen, dass jeder dieser Bergwachtler, die diesen Job in ihrer Freizeit ausüben, diesen umgehend hinschmeißen werden, wenn die Eigenverantwortung der Skifahrer auf sie abgewälzt wird.
Freilich - bei solch einem Weltcuprennen werden nicht nur ehrenamtliche Rettungskräfte anwesend sein, aber egal ob beruflich oder ehrenamtlich ist doch davon auszugehen, dass sie vorrangig helfen wollen und dies auch nach bestem Wissen tun oder was meint ihr?

Mandala 05.03.2008, 11.55 TB | PL | einsortiert in: sportliches

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Kommentare zu diesem Beitrag

4. von Harry

Wo ich gerade eher zufällig hier durchsurfe, muss ich mal einen Kommentar abgeben:

Ich denke schon, dass sich die Verschuldensfrage stellt. Aber anders, als es hier dargestellt wird.

Unbestritten ist, dass der Skirennsport gefährlich ist und jeder Fahrer speziell in den schnellen Bewerben das Risiko eines Sturzes und leichter oder schwerer Verletzungen auf sich nimmt, ähnlich wie auch in etlichen anderen Spitzensportart. Unbestritten ist auch, dass die Rettungskräfte vor Ort sicher nur das beste für den Gestürzten wollten, denen eine Schuld zuweisen zu wollen, ist unsinnig. Das Schicksal von Matthias Lanzinger ist tragisch, er ist zu bedauern und ich wünsche ihm alles erdenklich Gute! Aber so etwas kann unter sehr unglücklichen Umständen in einem solchen Risikosport leider eben nicht ausgeschlossen werden.

Die Verschuldensfrage stellt sich aber sehr wohl hinsichtlich der vorhandenen Rettungsmassnahmen. Es ist nämlich eben nicht egal, ob ein voll ausgerüsteter Rettungshubschrauber, oder eher zufällig ein Touristenhubschrauber vor Ort war und für den Transport verwendet wurde. Möglicherweise wäre bei der Schwere der Verletzung das Resultat unverändert geblieben, aber es darf niemals 5-6 Stunden dauern, bis ein so schwer verletzter Sportler ins richtige Krankenhaus kommt und operiert werden kann! Gerade bei Gefässverletzungen ist die Zeit bis zum Eingreifen ein wesentlicher Faktor. Für einen z.B. nach 1-2 Stunden noch möglichen operativen Eingriff kann es nach 5-6 Stunden evtl. zu spät sein! Ein Rettungshubschrauber hätte Lanzinger sofort einladen können (wenn nötig auch direkt am Berg per Seilwinde, wurde bei Rennen alles schon gemacht). Der Touristenhubschrauber musste erst umgebaut werden (Sitzbank entfernen etc.), damit der Transport überhaupt möglich wurde! Die Zeit, die dabei verschenkt wurde, war vielleicht entscheidend, vor allem aber darf es nicht passieren, dass bei einem solchen Rennen oberster Stufe amateurhafte Rettungsmassnahmen das Risiko schwerer Verletzungen bzw. deren Auswirkungen erhöhen!

Wer war also daran schuld? Sicher nicht die Rettungskräfte vor Ort, die haben unter den eben gegebenen, keinesfalls optimalen Umständen ihr Bestes gegeben. Eher die Organisatoren dieses Rennens, die nicht für optimale Sicherheits- und Rettungsmassnahmen gesorgt haben. Und doch wohl vor allem der internationale Verband, also die FIS, die zwar z.B. in ihren vielen striken Reglements fixiert, dass jemand, der die Besichtigungszeit bei einem Rennen um 30 Sekunden überschreitet, disqualifiziert wird, aber keine fixe Regelung hinsichtlich der von jedem Rennveranstalter zu erbringenen Rettungsmassnahmen zustandebringt! Diesbezüglich gibt es z.B. für Formel 1-Rennen seitenlange genaue Vorschriften, in den FIS-Unterlagen aber lediglich einen allgemein gehaltenen Dreizeiler (wurde kürzlich in einer ORF-Diskussion zum Thema Lanzinger als wesentlicher Kritikpunkt angeführt).

Die Verschuldensfrage stellt sich sehr wohl. Nämlich um zu klären, warum die Rettungsmassnahmen in Kvitfjell nicht so gut waren, wie es möglich, bei anderen Skirennen Standard und wünschenswert gewesen wäre, und warum sich die Versorgung von Matthias Lanzinger insgesamt um Stunden verzögert hat! Nicht zuletzt ist das wichtig, um solche Versäumnisse in Zukunft zu beheben und bei allem verbleibenden Risiko wenigstens kein zusätzliches Risiko einer zu langsamen Versorgung in Kauf zu nehmen.

Noch ein Wort zum Thema Bindung. Es wurde im Beitrag eine gewisse Mitschuld des ÖSV im Hinblick auf eine nicht aufgegangene, also anscheinend falsch eingestellte Bindung eingestellt. Das ist, sorry, Unsinn. Die Einstellung der Bindung kann nicht so erfolgen, dass sie beim ersten härteren Schlag aufgeht, das würde das Sturzrisiko nur massiv erhöhen. Das Problem (und grosse Pech) beim Sturz von Matthias Lanzinger war, dass er sich sehr wahrscheinlich schon beim ersten Aufprall auf das Richtungstor den Fuss gebrochen hat. Dadurch konnte sich der Fuss bei dem Sturz derart extrem rumdrehen und die schweren Gefässverletzungen sind entstanden. Genau deshalb ist leider auch die Bindung so lange nicht aufgegangen. Durch den gebrochenen Fuss war kein ausreichender Gegendruck mehr da und die Bindung, die relativ hart eingestellt sein muss, konnte nicht ausgelöst werden. Das war sehr unglücklich, aber leider mit dem aktuellen Bindungssystemen praktisch nicht zu verhindern, da trifft weder Fahrer noch Trainer oder ÖSV eine Schuld.

vom 12.03.2008, 20.36
Antwort von Mandala:

Hallo Harry,

herzlichen Dank für Deinen sehr ausführlichen Kommentar.

Was die Bindung betrifft, magst Du recht haben. Ich wollte mir den Sturz nicht noch ein drittes Mal anschauen und für eine genauere Analyse wäre dies nötig gewesen.

Letztendlich ist es ein sehr, sehr tragischer Unfall und ich wünsche dem Matthias alles erdenklich Gute.

LG ~ Mandala


3. von novalia

Ich denke, Aufgabe der Rettung ist es, Leben zu retten. Und dieses ist gelungen. Tragische Unfälle kann es immer und überall geben. Und jeder Sportler begibt sich wissend um das Risiko in Gefahr. Ob es nun beim Radsport, beim Turnen oder eben beim Skifahren ist...
Es ist natürlich tragisch, das besagter Skifahrer seinen Sport jetzt nicht mehr ausüben kann. Tragisch finde ich aber auch, dass jetzt ausgerechnet der Verband einen Schuldigen sucht.

vom 11.03.2008, 12.42
2. von Andrea

Hallo Irmi, auch ich war tief erschüttert von diesem Sturz, ich hab ihn live gesehen. Ich war auch tief betroffen im Januar in Kitzbühel,auch live gesehen.....der Sturz und die Verdrehungen des Beines von Lanzinger ließen nichts Gutes hoffen....trotzdem tut mir Lanzinger natürlich sehr sehr leid. Aber......wer immer mit 120 Km auf 2 Skiern einen Berg runter schießt muss wissen, dass das lebensgefährlich ist....und ist immer als 1. zu erwähnen, wenn man schon nach so einer Katastrophe mal wieder eine Schuldfrage geklärt haben muss,die Menschheit muss ja immer einen Verantwortlichen haben... Es gab einen Helikopter, ob nun mit oder ohne Liege ist meiner Meinung wurscht, Hauptsache es fliegt den Schwerverletzten jemand in ein Krankenhaus.

vom 05.03.2008, 17.34
Antwort von Mandala:

Hallo Andrea,

genauso sehe ich das nämlich auch und deswegen auch die einführenden Worte von meiner Skifahrerkarriere. Ich habe das Skifahren aufgegeben, weil ich mich kenne. Ich kann nicht langsam Bögerl für Bögerl den Berg runterfahren, würde deswegen zu schnell für meine mäßige Fitness fahren, was zu kapitalen Stürzen führen könnte und das hätte niemand anderer als ich zu verantworten.

Mir tut der Lanzinger sehr, sehr leid, aber letztendlich ist er selber, in eigener Verantwortung runter gefahren und muss nun leider auch selbst die Verantwortung für diesen Sturz übernehmen.

Eigentlich stellt sich für mich eher die Frage, ob es wirklich sein muss, solch gefährliche Rennen zuzulassen, oder nicht?


1. von Sanne

Ich hab mir das gerade auch mal auf youtube angeschaut - sieht ja furchtbar aus :( :( :(

Und ein bißchen gegoogelt... Der Hauptvorwurf lautet wohl, dass es zu lange gedauert habe, bis Lanzinger endlich in ein Krankenhaus kam - weil kein Rettungshubschrauber vor Ort war. Das finde ich zwar prinzipiell auch unmöglich, aber so verdreht wie das Bein war, hab ich echt Zweifel, ob da überhaupt noch was zu machen gewesen wäre :( Der arme Kerl.

LG, Sanne

vom 05.03.2008, 15.37
Antwort von Mandala:

Hallo Sanne,

ich denke, in dem Moment wäre es mir wurscht, mit welchem Hubschrauber ich geflogen werde, Hauptsache ich werde geflogen.

Wahrscheinlich waren die Helfer ob der Schwere und Gewaltigkeit der Verletzung momentan verständlicherweise überfordert, denn angeblich wurde auch ein falsches Krankenhaus angeflogen...

Ich habe auch schon schwere Verletzungen von Skifahrern gesehen - mein großer Sohn hatte sich erst voriges Jahr die Nase fast abgeschnitten mit den aggressiven Stahlkanten -, aber wie man hier bei Lanzinger sehen kann, sind noch viele andere schwere Verletzungen möglich.

Liebe Grüße auch ~ Mandala
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iris-julimond
Liebe Grüße dalaß. Ist ja doch schön hier bei Bea, aber ich muß jetzt wohl alleine durch den PC-Kram.
Iris :ok:
17.8.2009-16:46
iris-julimond
Ich mach mal Piep und melde mich halbwegs zurück im Bloggerleben.
Ich bin seit gestern unterwegs um meinen übervollen Feedreader zu lesen. Eine Wahnsinns Aufgabe.
Liebe sonntagsgrüße
Iris
15.3.2009-7:39
Biggy
Hallo Mandala, danke für deinen netten Kommentar! Die Blogs die du erwähnt hast, die kenne ich auch, aber die stricken dann meistens NUR Socken, aber du strickst auch soviele andere wunderschöne Dinge!!
LG Biggy :)
1.4.2008-21:08
iris-julimond
Hallo Mandala, waren wir denn sehr weit weg von dir? ich wandere ja nicht, und hätte zeit für ein ministricktreffen gehabt. Wir waren schön öfters in Oberbayern, und es ist immer wieder schön.
lg Iris :ok:
17.8.2007-14:55
Suse
Die Handyaktion ist ja wohl der Knaller - die haben doch einen an der Waffel.... pfffttt
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